Heute essen wir einen Baum

Einen Bio-Bonsaibaum oder eben Broccoli und der kommt nächste Woche wieder endlich frisch von unseren Gärtnern!

Es fällt mir eigentlich kein anderes Gemüse ein, über das man sich so den Kopf zerbrechen oder streiten kann – kommt der Broccoli von Bio-Kollegen direkt oder den regionalen Großhandel ist unsere Quote, die unser Packteam vorab aussortiert so hoch wie bei keinem anderen Gemüse. Meistens ist der Grund, dass er bereits „blüht“ und seinen kulinarischen Höhepunkt erfolgreich überschritten hat. Eigentlich ist das kein Zustand, wo sie nach dem Verzehr die Krone von unten anschauen, aber er schmeckt, obwohl bedenkenlos genießbar, bitterer, trocken und etwas holziger (und sie erwarten ja berechtigt eine sehr gute Qualität von uns).

Kommt der der Broccoli von unserem Team, klatsche ich zwar freudestrahlend dreimal in die Hände, aber schon wandert der Schmerz und Kummer vom Großhirn ins Kleinhirn und malträtiert dort meinen Frontallappen. Wenn ich mit Darek darüber spreche und er noch nicht sein Schamanengewand ausgezogen hat, verstehe ich Sätze wie „viel Regen auf einmal“…“Boden verdichtet“….“zu dicht für Frucht und großen Baum“…“zu wenig Wasser“….“einfach klein, wächst nicht fehlt Regen“…

Also ein wenig anstrengend ist das schon mit den idealen Wachstumsbedingungen und da wir bei unserem Anbau auf Vielseitigkeit setzen, müssen wir schon einen guten Pasch würfeln, um schöne Broccoli-Bäumchen für Sie packen zu dürfen. Der erste Eindruck, den ich hatte, sieht aber sehr gut aus und Frische ist bei unserem Broccoli eigentlich auch nie das Problem – eher die etwas zu kleinen Baumkronen/Kohlrösschen im Vergleich zum Stamm/Strunk. Sie haben also mitunter ziemlich mächtige Stämme mit mickrigen Kronen erhalten. So sieht es bei dieser Ernte bis jetzt nicht aus, aber ich möchte Sie ein bisschen für den Verzehr der Stämme sensibilisieren…

Die sind vollwertig mitessbar! Das holzige Ende wie beim Spargel (1-2cm) wegschneiden, den Stamm „entrinden“ oder schälen in Würfel oder Scheiben schneiden und einfach ein bisschen länger mitkochen, da die Röschen einfach feiner sind und weniger Zeit/Wärme benötigen, um zart zu werden. Es gibt auch Menschen, die bereiten ein leckeres Pesto aus den Broccolistämmen zu.

Alle lieben Broccoli – außer sie gehören zu den Menschen, die durch Ihren Speichel bei Kontakt mit Broccoli im Mund einen Schwefelverbindung erzeugen, dann akzeptieren wir Ihre Missgunst dem Supergemüse gegenüber.

Ihr Kohlminister vom Laiseacker

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