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Hilfe in der Wüste - Bericht der Vaihinger Kreiszeitung Online über die Hilfsaktion Racing Aid

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Vaihingen (sr). Unter dem Namen Racing Aid startete eine private Hilfsaktion zum zweiten Mal in Richtung Tunesien. Frank Dodenhöft aus Vaihingen war dabei. Er ist der Zeitungsfahrer der VKZ und lenkte seinen MAN-KAT namens „Katharina“ durchs tunesische Hochland.


Der Wettkampf einer Wüstenrallye, die Jagd nach Sieg und Ruhm, darauf kann Frank Dodenhöft aus Vaihingen verzichten. Dafür liebt er die Wüste. Immer wieder zieht es ihn dorthin, wo oberflächlich betrachtet wenig lockt. Vor wenigen Tagen war er mit Racing Aid in Tunesien, um Hilfsgüter zu verteilen. Die Rallye-Ärztin Dr. Ellen Geiger-Disselhoff aus Hemmingen und ihr Mann Marc koordinieren und planen die Hilfsfahrten (wir haben berichtet). Racing Aid ist eine private Initiative mehrerer Fahrer der deutschen Rallyeszene, die libysche Kriegsflüchtlinge im Süden Tunesiens unterstützt. Für Frank Dodenhöft ist das Jahr 2006 der Beginn keiner wüsten, sondern einer Wüsten-Leidenschaft. Mit einem selbst umgebauten Bundeswehr-Lkw nimmt er als „Besenwagen“ an der Rallye Erg-Oriental in Tunesien teil. Der MAN-KAT ist laut Fahrzeugschein ein Wohnmobil. Auf dem Schiff trifft er die Schwäbin Ellen Geiger-Disselhoff, die als Ärztin den Tross begleitet. Der Kontakt ist geknüpft und bleibt bestehen. „Es war eine gute Erfahrung“, sagt der 46-Jährige zurückblickend über die erste Wüstenfahrt. Und er hatte sich infiziert mit dem Wüstenvirus: „Der Drang zur Wüste ist sehr groß“, räumt der gelernte Schreiner ein.

 


Am 3. September starten Dodenhöft und 13 Männer aus ganz Deutschland in Hemmingen zur zweiten Hilfsfahrt von Racing Aid. Marc Disselhoff sitzt mit in „Katharina“, dem MAN-Koloss von Dodenhöft, der diesen zarten Namen trägt. Für die liebliche „Katharina“ wird im heimischen Vaihingen übrigens ein Unterstellplatz benötigt. Sechs Lkw mit Anhänger und 50 Tonnen Hilfsgüter setzen sich in Bewegung. Einen Teil der Fahrt bewältigen die Gespanne mit dem Zug, die Lkw schweben so auf der Hinfahrt über Schweizer Boden hinweg.
Dodenhöft zählt auf, was als Ladung mit an Bord ist: „Lebensmittel, Windeln, Kleidung, medizinisches Equipment, beispielsweise die komplette Einrichtung von zwei OP-Sälen“, und, und, und. Allein vier Tonnen Kartoffeln werden in Richtung Tunesien gekarrt. „Allen Unkenrufen zum Trotz, die vier Tonnen Kartoffeln und das Gemüse sind wie aus dem Laden, einfach top“, kann Teilnehmer Andreas Henschel später im Internet vermerken.
Vor Ort müssen sich die Helfer vor allem in Flexibilität üben. Während der Planung des Hilfskonvois waren die politischen Verhältnisse noch anders als am Tag der Ankunft. Viele der Flüchtlinge aus Libyen, die das tunesische Grenzgebiet überschwemmt hatten, können kurzfristig wieder nach Hause gehen. So wird kurzerhand eine Lebensmittelladung in einem Dorf im Hochland von Tunesien verteilt. In den Bergen von Matmata herrsche ebenfalls große Not, wurde den Helfern gesagt. „Die haben sich tierisch gefreut“, sagt Dodenhöft.
Für die Deutschen sind schon die Temperaturen von 45 Grad Celsius eine Herausforderung. „Da liegt man normalerweise am Strand“, sinniert Dodenhöft, „wir haben beim Ausladen bloß einmal geschwitzt – von morgens bis abends.“
Die Hälfte der Fahrzeuge fährt nach Djerba, die andere Hälfte ins Landesinnere. In Djerba werden die Hilfswaren auf libysche Lkw umgeladen, um von dort aus in libysche Krankenhäuser transportiert zu werden. „Letzte Nacht wurden Nahrungsmittel, Kinderausstattung und Verbandsmittel für Tripolis und ein Waisenhaus auf libysche Lkw verladen. Unsere Abendmahlzeit danach um 2.30 Uhr war fast schon ein Frühstück“, schreibt Andreas Henschel. Es seien immer Leute da gewesen, die geholfen haben, sagt Dodenhöft. „Ganz so, als ob man auf den Vaihinger Marktplatz fährt und ‚Freibier‘ schreit.“
Ein dickes Lob müssen Dodenhöft und seine Lebenspartnerin Brigitte Emele noch an die Vaihinger loswerden. Eine Woche vor Start des Konvois hatten sie direkt vor Ort gesammelt. Ellen Geiger-Disselhoff hatte sich mit Einverständnis der Verantwortlichen vor dem dm-Markt positioniert. Dodenhöft und Emele waren vor dem Rewe-Markt Eckert ebenfalls willkommen. „Das hat richtig gut eingeschlagen“, lobt Dodenhöft. Die Leute hätten prima mitgemacht, wodurch nochmal Geldspenden, Babynahrung und andere Waren gesammelt werden konnten.
Zurückblickend ist Dodenhöft am meisten davon beeindruckt, „dass wir von allen Menschen, egal ob in Italien oder Tunesien, sehr freundlich und mit großem Respekt empfangen worden sind“. Wenn Not auf der Welt herrscht, dann halten die Menschen doch zusammen, resümiert Dodenhöft.

 


Am 11. September sind alle wieder gut in Deutschland gelandet. Der nächste Hilfskonvoi ist für Ende Oktober geplant, verrät der Vaihinger. Dann sollen Hilfsgüter voraussichtlich direkt an libysche Krankenhäuser geliefert werden. Die Spendendaten gelten auch noch, ermuntert Dodenhöft. Vielleicht ist er dann wieder dabei. Aber irgendjemand muss nachts die VKZ vom Druckhaus zu den Austrägern fahren.


Spendenkonto: Katholische Kirchenpflege Münchingen, Kreissparkasse Ludwigsburg, Kontonummer 988 32 73, Bankleitzahl 604 500 50, Verwendungszweck: Spende Tunesien-Libyen. Informationen im Internet unter www.racing-aid.de.

Wir freuen uns den Menschen vor Ort ein wenig helfen zu können. Mit freundlicher Genehmigung der VKZ Online-Redaktion. Den Originalbericht der VKZ gibt es hier zu lesen.